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kirchenfuehrung:kirchenfuehrung [2013/05/06 03:10]
Dirk Baack [Im Kirchenschiff]
kirchenfuehrung:kirchenfuehrung [2017/07/11 21:45] (aktuell)
Dirk Baack
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-Wenden wir uns wieder dem Kirchturm zu: Eigenartigerweise findet man auf der Westseite zwei Jahreszahlen, die als Maueranker ausgeführt sind. Das hat einen ganz einfachen Grund: 1769 wurden Teile des jetzigen Kirchturms - wohl ähnlich der heutigen Form - errichtet, nachdem viele Jahre zuvor der alte hölzerne Kirchturm abgebrochen werden mußte. Doch leider brannte dieser Turm während einer der großen Feuersbrünste, von denen Lamstedt heimgesucht wurde, im Jahre 1812 aus, und wurde erst 1820 wiederhergestellt. In dieser Zeit erhielt er auch die eigenwillige Kuppel, die von einer Laterne und einer Windfahne gekrönt wird. Nach einem leider mißlungenen Renovierungsversuch in den 1960er Jahren ist er im Jahr 1985 mit erheblichen finanziellen Aufwand saniert worden, so ist das etwa einen Meter starke Ziegelmauerwerk im unteren Bereich des Turmes vollständig ausgetauscht worden. Das eindrucksvolle - aus fünf Glocken bestehende [[kirchenfuehrung:glocken|Geläut]] im Turm - sucht in dieser Gegend seinesgleichen.+Wenden wir uns wieder dem Kirchturm zu: Eigenartigerweise findet man auf der Westseite zwei Jahreszahlen, die als Maueranker ausgeführt sind. Das hat einen ganz einfachen Grund: 1769 wurden Teile des jetzigen Kirchturms - wohl ähnlich der heutigen Form - errichtet, nachdem viele Jahre zuvor der alte hölzerne Kirchturm nach Sturmschädern abgebrochen werden mußte. Doch leider brannte dieser Turm während einer der großen Feuersbrünste, von denen Lamstedt heimgesucht wurde, im Jahre 1812 aus, und wurde erst 1820 wiederhergestellt. In dieser Zeit erhielt er auch die eigenwillige Kuppel, die von einer Laterne und einer Windfahne gekrönt wird. Nach einem leider mißlungenen Renovierungsversuch in den 1960er Jahren ist er im Jahr 1985 mit erheblichen finanziellen Aufwand saniert worden, so ist das etwa einen Meter starke Ziegelmauerwerk im unteren Bereich des Turmes vollständig ausgetauscht worden. Das eindrucksvolle - aus fünf Glocken bestehende [[kirchenfuehrung:glocken|Geläut]] im Turm - sucht in dieser Gegend seinesgleichen.
  
 Der Turm hat einen annähernd quadratischen Grundriß mit einer Kantenlänge von etwa 7,65 Meter. Seine Mauern sind in Bodennähe etwa 1,60 Meter stark. Er erreicht bis zur Spitze der Laterne auf dem Turmhelm eine Höhe von etwa 27 Metern, bis zur Kugel auf deren Spitze sind es etwa 30 Meter und bis zum Kreuz auf der Wetterfahne dann über 32 Meter. Der Turm hat einen annähernd quadratischen Grundriß mit einer Kantenlänge von etwa 7,65 Meter. Seine Mauern sind in Bodennähe etwa 1,60 Meter stark. Er erreicht bis zur Spitze der Laterne auf dem Turmhelm eine Höhe von etwa 27 Metern, bis zur Kugel auf deren Spitze sind es etwa 30 Meter und bis zum Kreuz auf der Wetterfahne dann über 32 Meter.
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- +Gehen wir also auf unserer virtuellen Tour jetzt in die Lamstedter Kirche durch den Eingang im Kirchturm. Hier gilt es zunächst einmal kurz innezuhalten. Passend zum klassizistischen Turmabschluß findet man hier in der Turmhalle nämlich einen klassizistischen Kronleuchter. Dieser wurde der Kirchengemeinde von der politischen Gemeinde Lamstedt geschenkt, die ihn ihrerseits aus der Erbmasse der ehemaligen Rolandschen Apotheke erworben hat. Nach seiner Restaurierung durch die Kirchengemeinde hing er einige Jahre im Kircheninneren, wo er allerdings nach der umfassenden Innenrenovierung 1996 nicht mehr recht mit der neugefaßten Beleuchtung und der übrigen - größtenteils barockisierenden - Inneneinrichtung harmonieren wollte.
-Betreten wir also auf unserer virtuellen Tour jetzt die Lamstedter Kirche durch den Eingang im Kirchturm. Hier gilt es zunächst einmal kurz innezuhalten. Passend zum klassizistischen Turmabschluß findet man hier in der Turmhalle nämlich einen klassizistischen Kronleuchter. Dieser wurde der Kirchengemeinde von der politischen Gemeinde Lamstedt geschenkt, die ihn ihrerseits aus der Erbmasse der ehemaligen Rolandschen Apotheke erworben hat. Nach seiner Restaurierung durch die Kirchengemeinde hing er einige Jahre im Kircheninneren, wo er allerdings nach der umfassenden Innenrenovierung 1996 nicht mehr recht mit der neugefaßten Beleuchtung und der übrigen - größtenteils barockisierenden - Inneneinrichtung harmonieren wollte.+
  
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-Weiter geht es geradewegs ins Kirchenschiff. Tritt man unter der Orgelempore hervor, sieht man die - wohl im 18. Jahrhundert in ähnlicher Form erstellte Segmentbogentonne mit ihren fünf kräftigen Zugbalken, die verhindern, daß die Außenmauern des Kirchenschiffes zu weit nach außen neigen. (Vorher - so mutmaßt man - war das Kirchenschiff an in Höhe der Zugbalkenlage mit einer Bretterdecke abgeschlossen gewesen.) Rechter Hand findet man zunächst einen Schrank von Eichenholz, wahrscheinlich das älteste Möbelstück in der ganzen Gegend. Der zweitürige Schrank mit seinen Eisenbeschlägen läßt sich (ohne dendochronologische Maßnahmen) kaum noch datieren. Verhältnismäßig sicher ist jedoch, daß es sich bei diesem Schrank um das "Schapp" handelt, das in der Reformationsurkunde von 1567 erwähnt wurde. Vergleiche mit Zeichnungen anderer Schränke in der Vorlesung von Frau Prof. Jarchow (TU Hamburg-Harburg) ergaben, daß dieser Schrank durchaus mit gotischen Schränken vergleichbar ist, wie sie beispielsweise im 14. oder 15. Jahrhundert angefertigt wurden.+Weiter geht es geradewegs ins Kirchenschiff. Tritt man unter der Orgelempore hervor, sieht man die - wohl im 18. Jahrhundert in ähnlicher Form erstellte Segmentbogentonne mit ihren fünf kräftigen Zugbalken, die verhindern, daß die Außenmauern des Kirchenschiffes zu weit nach außen neigen. (Vorher - so mutmaßt man - war das Kirchenschiff an in Höhe der Zugbalkenlage mit einer Bretterdecke abgeschlossen gewesen.) Die jetzige Farbgebung von Gestühl und Wänden ist nicht wirklich alt: Die Bänke haben ihren Farbton erst 1996 erhalten, die schlicht gekalkten Wände sind in den 1960er Jahren in dieser Farbe neu angelegt worden, wohl als Abschluß  
 +einer Instandsetzung der Wände des Kirchenschiffs (1962-64) und eines Neuaufbaus des Dachstuhls, der auch in diese Zeit fiel. 
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 +Rechter Hand findet man zunächst einen Schrank von Eichenholz, wahrscheinlich das älteste Möbelstück in der ganzen Gegend. Der zweitürige Schrank mit seinen Eisenbeschlägen läßt sich (ohne dendochronologische Maßnahmen) kaum noch datieren. Verhältnismäßig sicher ist jedoch, daß es sich bei diesem Schrank um das "Schapp" handelt, das in der Reformationsurkunde von 1567 erwähnt wurde. Vergleiche mit Zeichnungen anderer Schränke in der Vorlesung von Frau Prof. Jarchow (TU Hamburg-Harburg) ergaben, daß dieser Schrank durchaus mit gotischen Schränken vergleichbar ist, wie sie beispielsweise im 14. oder 15. Jahrhundert angefertigt wurden.
  
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-Hat man sich schon halb zur Seite gedreht, kann man sich auch sogleich die Orgelemporenbrüstung ansehen. Hier findet man zunächst Darstellungen altatestamentarischer Gestalten,+Hat man sich schon halb zur Seite gedreht, kann man sich auch sogleich die Orgelemporenbrüstung ansehen. Hier findet man zunächst Darstellungen alttestamentarischer Gestalten,
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 +Die Emporenanlage ist übrigens während der Umbauten in den 1960er Jahren massiv verändert worden. Zuvor befand reichte sie noch halb um den Altar herum und über der kleinen nördlichen Tür befand sich der Teil, der heute die Brüstung vor der Orgel an der Westseite bildet.
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 ==== Der Altar ==== ==== Der Altar ====
  
  
-Etwas später, nämlich 1747, entstand der Altaraufbau, dem wir uns auf dem Weg in den östlichen Teil der Kirche langsam nähern. In der heutigen Form auf drei umlaufenden Stufen mit abschließender gemauerter Mensa findet man ihn erst seit den fünfziger Jahren vor, aber der Altarretabel ist - abgesehen von mehr oder weniger umsichtigen farblichen Neufassungen - wohl seit dem 16. Jahrhundert unverändert. Dort findet man - vom künstlerischen Standpunkt wohl als wertvollste Darstellung - zunächst direkt über der Mensa zwischen Vaterunser und Einsetzungsworten eine Abendmahlsdarstellung; dieses Bild ist möglicherweise älter als der Rest des Altarretabels. Darüber eine großflächige Kreuzigungsszene, flankiert von geschnitzten Ranken und Säulen. Oberhalb eines Gesimses findet sich eine weitere Darstellung der Auferstehung (Öl auf Holz), flankiert von Pfeilern, abgeschlossen mit zwei Posaunenengeln und einem Christusknaben in der Mitte, jeweils als Vollplastiken.+Etwas später als die Emporenbemalung, nämlich 1747, entstand der Altaraufbau, dem wir uns auf dem Weg in den östlichen Teil der Kirche langsam nähern. In der heutigen Form auf drei umlaufenden Stufen mit abschließender gemauerter Mensa findet man ihn erst seit den fünfziger Jahren vor, aber der Altarretabel ist - abgesehen von mehr oder weniger umsichtigen farblichen Neufassungen - wohl seit dem 18. Jahrhundert unverändert. Dort findet man - vom künstlerischen Standpunkt wohl als wertvollste Darstellung - zunächst direkt über der Mensa zwischen Vaterunser und Einsetzungsworten eine Abendmahlsdarstellung; dieses Bild ist möglicherweise älter als der Rest des Altarretabels. Darüber eine großflächige Kreuzigungsszene, flankiert von geschnitzten Ranken und Säulen. Oberhalb eines Gesimses findet sich eine weitere Darstellung der Auferstehung (Öl auf Holz), flankiert von Pfeilern, abgeschlossen mit zwei Posaunenengeln und einem Christusknaben in der Mitte, jeweils als Vollplastiken. Vermutlich ist aber auch der Altar nicht in einem Zuge entstanden: Der obere Teil (mit der Auferstehungsdarstellung gilt als jünger als der untere Teil, darauf deutet auch der Übergang von barocken 
 +Formen im unteren Bereich hin zu geradlinigeren, jüngeren Gestaltungsformen hin.
  
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kirchenfuehrung/kirchenfuehrung.1367802602.txt.gz · Zuletzt geändert: 2014/11/26 16:19 (Externe Bearbeitung)